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Heilkräuter auf der Fensterbank

 

Dass in einer kleinen Pflanze, die vielleicht kaum beachtet auf der Fensterbank steht,  manchmal unglaublich viel steckt, mag man oft gar nicht glauben. Und doch überraschen uns manche Kräuter immer wieder mit ihrer Heilkraft und ihrer Vielseitigkeit. Zum Beispiel Basilikum.

Wer kennt es nicht, das hübsche Basilikum? Es duftet wunderbar und gehört wie auch Mozzarella, Tomaten, Amaretto und andere Leckereien zum Urlaub in Italien, aber auch zum Sommer im eigenen Land. Ja, da werden Erinnerungen wach – an Pesto, Pasta und Co., an Pinienhaine, das hügelige Land der Toskana, blaues Meer, freundliche lärmende Menschen und ein ganz anderes Lebensgefühl.


Ursprünglich stammt aber das Basilikum aus Indien und hat dort einen edlen Verwandten, das heilige Tulsikraut. Die Tulsipflanze gehört zu den heiligen Kräutern Indiens, unter anderem weil sie Körper und Geist harmonisiert. Das wirklich feine Aroma des auch bei uns bekannten Basilikums wird gern in mediterranen Rezepten genutzt und wäre aus unseren Küchen nicht mehr wegzudenken.  Aber wussten Sie auch, dass es ein gutes Mittel bei Magenverstimmung oder Blähungen und nervösen Störungen ist?


Dabei wirkt es nicht nur antibakteriell, beruhigend, harntreibend, krampf- und schleimlösend, sondern auch schmerzstillend, schweißtreibend und tonisierend. Es lindert allerlei  Verdauungsstörungen, Migräne, Stoffwechselbeschwerden und Frauenleiden.
Der Tee aus Basilikumblättern findet Anwendung bei leichten Schlafstörungen, übermäßiger Aufregung, Angstzuständen oder Nervosität. Dazu werden 1-2 gehäufte Teelöffel Basilikum mit einem Viertelliter kochendem Wasser übergossen und nach etwa 10 Minuten Ziehzeit abgeseiht und getrunken. Bei Magenbeschwerden kann man kurmäßig für einige Tage zwei Tassen Basilikumtee täglich trinken. Der Kräuterarzt Maurice Mességué empfiehlt den wohlschmeckenden Tee auch stillenden Frauen zur Anregung der Milchproduktion. Er rät, neben den Blättern auch die zarten, weißen Blüten zu verwenden.


Im Ayurveda rühmt man die blutreinigende Wirkung des Königskrautes, wie es auch genannt wird und sagt ihm außerdem herztonische, geschmacksverbessernde, stoffwechselanregende und verdauungsanregende Eigenschaften nach. Schließlich hilft es auch bei der Fettverdauung.


Für Heilanwendungen wäre es übrigens sehr wichtig, das Basilikum selbst auszusäen, um nicht auf die fabrikmäßig hergestellten, völlig überdüngten Kräutertöpfe aus dem Supermarkt zurückgreifen zu müssen. Das einjährige Kraut lässt sich in kleinen Anzuchttöpfen gut ziehen, wenn man beachtet, dass es ein Lichtkeimer ist, also nicht mit Erde bedeckt werden darf. Um die Samen schön gleichmäßig feucht zu halten, ohne sie zu überschwemmen, ist es am besten, wenn man sie gründlich mit der Wasserspritze besprüht und dann den Topf mit Folie abdeckt, um die Wasserverdunstung gering zu halten.


Das Basilikum sollte warm und sonnig stehen und regelmäßig gegossen werden, ohne dabei für Stunden „nasse Füße“ zu haben. Wenn man regelmäßig die oberen Triebspitzen erntet, verzweigt sich die Pflanze bald und wird üppiger und buschig.


Außer dem Basilikumkraut kann auch sein ätherisches Öl genutzt werden, zum Beispiel in einer Duftlampe. Es wirkt unter anderem befreiend auf Kopf, Seele und Gemüt. Sein würziger Duft beseitigt Erschöpfungszustände und vertreibt Trübsal und Melancholie. Durch seine krampflösende Wirkung ist er eine gute Hilfe bei Migräne und stress- und wetterbedingten Kopfschmerzen. Außerdem vertreibt der wohlige Duft Mücken und Insekten. Ins Vollbad gegeben lassen sich kleinere Hautprobleme beheben, etwa bei schlecht heilenden Wunden und Unreinheiten oder Eiterungen.


Auch der Rosmarin ist ein häufig gehaltenes Küchenkraut, das bedeutend mehr kann, als nur Braten, Suppen und Eintöpfe zu würzen. Es hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf unser Wohlbefinden, indem es den Kreislauf kräftigt und das Nervensystem ausgleicht. Es wird empfohlen bei Schwächezuständen, wie etwa nach Erkältungskrankheiten, bei  Verdauungsbeschwerden, Rheuma, Gicht und Kreislaufstörungen, zum Beispiel wegen zu niedrigem Blutdruck.


Der Rosmarin regt den Kreislauf an, ist harntreibend, galletreibend, verdauungsfördernd und krampfstillend. Der Genuss der Pflanze spendet Energie, beseitigt Mutlosigkeit und wärmt sozusagen von innen. Ein Rosmarinbad kann Tote wieder erwecken, sagt man. Allerdings sollte das wohltuende Bad nicht am Abend genommen werden, will man nicht eine schlaflose Nacht riskieren, denn die anregende Wirkung steht doch sehr im Vordergrund. Gleichzeitig wirkt es jedoch auch ausgleichend und harmonisierend, zum Beispiel auch auf den Verdauungstrakt.


Ein Rosmarintee oder –absud bringt so die gestörte Verdauung wieder ins Gleichgewicht oder lindert Gelenkbeschwerden. Migräne oder Kopfschmerzen lassen sich mit einem Rosmarinfußbad vertreiben: dazu bereitet man einen kräftigen Aufguss aus einer Handvoll Rosmarin und zwei Litern Wasser und gibt diesen Aufguss ins Fußbad. Ein solches anregendes Fußbad kann auch Rheumapatienten und Anderen mit Gelenksbeschwerden Linderung bringen. Wichtig danach ist das gründliche Abtrocknen der Füße. Wer möchte, kann auch ein kalt-warmes Wechselbad mit dem Rosmarinaufguss machen. Das kräftigt den ganzen Körper und belebt den Geist.


Auch das ätherische Öl des Rosmarins stimuliert stark die mentale Ebene, fördert Klarheit, Konzentration, macht frisch und wach und verbessert das Erinnerungsvermögen. In den ersten Schwangerschaftsmonaten sollte man allerdings auf das feine Rosmarinöl verzichten, da es unter Umständen auch abortiv, also abtreibend wirken kann.


Für Rosmarinkartoffeln gibt man einen guten Schuss Olivenöl in eine Bratpfanne und dazu – schon ins kalte Öl, damit es beim Warmwerden das Aroma gut aufnehmen kann -  eine zerdrückte Knoblauchzehe und einen Rosmarinzweig. Wenn das Öl richtig heiß ist, gibt man in Würfel von etwa einem Zentimeter Kantenlänge geschnittene, geschälte Kartoffeln dazu und lässt sie schön braun werden. Sind die Kartoffeln rundum knusprig angebraten, reduziert man die Hitze und lässt sie mit etwas Gemüsebrühe in der  zugedeckten Pfanne gar ziehen. Mit frisch gemahlenem Pfeffer und etwas Meersalz abgeschmeckt, ergibt das ein leichtes Sommergericht, das gut zu Salat oder Kurzgebratenem passt.


Eine weitere heilkräftige Pflanze findet sich häufig auf unseren Fensterbrettern: der Aloe. Zugegeben, er ist nicht ganz so bezaubernd anzusehen, wie Rosmarin oder Basilikum, mit seinem stacheligen, eher robusten Aussehen. Aber die „inneren Werte“ sind besonders beeindruckend und wir sollten uns hüten, ihn gering zu schätzen.


Die Heimat der eigenwilligen Pflanze und ihrer zahlreichen Unterarten ist der afrikanische Kontinent, aber sie wächst mittlerweile auch im Mittelmeerraum oder in Indien. Der Pflanzensaft, der aus den fleischigen Blättern gewonnen wird, ist sehr bitter und fördert deshalb die Sekretion von Magensaft, Galle und wirkt abführend.


Bitteres ist eine Wohltat für die Leber und den gesamten Verdauungsapparat. Bitterstoffe in unserer Nahrung regen deshalb die Verdauung an, reinigen und stärken Leber, Bauchspeicheldrüse und Darm und sorgen so für ein umfassendes Wohlbefinden. Nicht umsonst ist auch der Verdauungsschnaps oft ein Bitterlikör. Wer also Leberbeschwerden hat, tut gut daran, regelmäßig ein Gläschen voll Aloe-Saft zu trinken. Dabei wird er bemerken, dass auch der Darm auf einmal wieder besser arbeitet und sich somit das Allgemeinbefinden deutlich verbessert.


Das Bestreichen leichter Verbrennungen mit dem Aloesaft wirkt kühlend und lässt die Wunde schneller heilen. Tatsächlich enthalten sogar einige After-sun-Produkte Aloeextrakt. Und in „Omas Lexikon der Kräuter- und Heilpflanzen“ wird vom Gebrauch der Pflanze bei Spulwürmern berichtet.


Den Aloe-Saft gewinnt man, indem man ein Blatt abschneidet und es mit der Schnittfläche nach unten in ein Glas stellt, sodass der Saft herauslaufen kann. In einigen Gegenden wird er durch Erhitzen noch eingedickt und somit haltbar gemacht.


Achtung! Bei Überdosierung kann es zu Nierenreizungen kommen und Schwangere sollten auf den Genuss von Aloe vorerst verzichten. Bleibt man jedoch bei einem kleinen Gläschen pro Tag, so kann die Pflanze durchaus segensreiche Wirkungen entfalten.

Literaturhinweise:

Apotheker M. Pahlow, „Das große Buch der Heilpflanzen“, ISBN-Nr.: 3-8289-1839-5

Maurice Mességué, „Das Mességué-Heilkräuter-Lexikon“, ISBN-Nr.: 3-548-35370-3

Maria M. Kettenring, „Ätherische Öle für Beauty & Wellness“, ISBN-Nr.: 3-7787-5118-2

Hannelore Fischer-Reska, „Die Bitterstoff-Revolution“, ISBN-Nr.: 3-517-06755-5

 
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