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Frühjahrsmüdigkeit

 

Wer kennt sie nicht, die Frühjahrsmüdigkeit? Überall sprießen die Knospen, die Vögel singen endlich wieder, es gäbe soviel zu tun, aber irgendwie fehlen uns die Energie und der Elan. Wir sitzen  zu Hause und fühlen uns müde.

Das hat Gründe, die schwierig zu ändern sind. Im Herbst und Winter werfen die Laubbäume ihre Blätter ab. Abgeworfene Blätter aber produzieren keinen Sauerstoff. Im Winter enthält die Atemluft deshalb messbar weniger Sauerstoff und unser Stoffwechsel funktioniert deshalb in der kalten Jahreszeit anders, langsamer.  Wenn nun der Frühling beginnt und die ersten Blätter und Pflänzchen zu wachsen beginnen, dauert es doch noch eine Weile, bis der Sauerstoff in der Atemluft wieder so reichlich vorhanden ist, wie vorher.


Außerdem bekommen wir im Winter deutlich weniger Sonnenlicht, das unser Körper benötigt, um in der Haut Vitamin D zu bilden. Das ist nicht ganz so dramatisch, da Vitamin D auch mit der Nahrung aufgenommen werden kann, zum Beispiel aus Lebertran, Fisch, Eigelb oder Milch, aber auch aus Fleisch oder Innereien.
Oft nehmen wir im Winter aber auch weniger frisches Gemüse auf. Das Angebot ist oft beschränkt und meist überteuert. Daraus kann nun auch ein Vitamin-E-Mangel entstehen, der sich vor allem durch unspezifische Beschwerden auszeichnet. Bisher ist die Wirkungsweise des Vitamin E im menschlichen Organismus noch nicht vollständig erforscht. Es lässt uns vor allem jünger aussehen, weil es das durch die Oxidation bedingte Altern der Zellen verhindert. Außerdem liefert es dem Körper Sauerstoff und schützt die Lunge im Zusammenwirken mit Vitamin A vor den Auswirkungen der Luftverschmutzung. Ein Mangel kann sich eventuell durch nachlassende Lebenskraft und durch Störungen der Verdauung, der Eiweißsynthese und der Muskulatur und Nerven bemerkbar machen.


Es wäre also eine gute Idee, im beginnenden Frühling Nahrung mit viel Vitamin E zu bevorzugen.
Vitamin E, oder natürliche Tocopherole, werden nur von Pflanzen synthetisiert. Die größten Vorkommen finden sich in Nüssen, Pflanzenölen, Getreide oder frischem Blattgrün. Wichtige Lieferanten sind zum Beispiel frische Weizenkeime, Vollkorn- oder Sojaprodukte. Statt Blattsalate aus dem Supermarkt können Sie auch Frühlingsgemüse aus Wald oder Wiese auf Ihren Speisezettel aufnehmen. In den Pflanzen, wie auch in unserem Organismus fungieren die Tocopherole als Schutzsysteme vor der Anlagerung reaktiven Sauerstoffs und wirken so der Lipidperoxidation sowie der Entstehung oxidierten LDL-Cholesterins entgegen. Dabei wird das Vitamin E durch Vitamin C, Beta-Carotin und Selen unterstützt.  Mehrfaches, zum Teil massives Erhitzen der Pflanzenöle, zum Beispiel während des Herstellungsprozesses, aber auch beim Zubereiten unserer Mahlzeiten kann es zerstören. Hitze, aber auch Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes und Konservierungsstoffe sind die Feinde von Vitamin E.


Oftmals haben wir während des Winters unseren Bewegungsdrang unterdrückt und damit darauf verzichtet, unseren ohnehin schon trägen Kreislauf ein wenig anzukurbeln. Alle diese kleinen Sünden rächen sich jetzt: der Frühling zwitschert und knospt uns entgegen und wir sind zu müde und erschöpft, um ihm entgegen zu eilen.


Es gibt aber zum Glück genügend Möglichkeiten, der Frühjahrsmüdigkeit entgegen zu wirken. Als Erstes sollten wir spätestens jetzt unseren Bewegungsmangel bekämpfen und uns mit Spaziergängen an der frischen Luft ausreichend Sauerstoff verschaffen. Dabei werden wir automatisch auch das für die Bildung von Vitamin D nötige UV-Licht aufnehmen. Vielleicht gelingt es uns, bei unserem Spaziergang im Wald oder durch den Park einige der Kräuter und Pflanzen zu finden, die sich geradezu anbieten für eine den Stoffwechsel anregende Frühjahrskur, die außerdem noch gute Laune macht.
Wie wäre es zum Beispiel mit etwas gesunder Brunnenkresse aufs Butterbrot? Oder einigen Veilchenblüten, die schon unsere Großeltern gern zur Orangenmarmelade aßen? Probieren Sie es aus, die lila Blüten sehen sehr hübsch auf dem Marmeladebrot aus.


Brunnenkresse wächst nur an seichten Stellen in fließenden Gewässern, sie mag sozusagen nasse Füße. Ihr feiner scharfer und gleichzeitig milder, leicht bitterer Geschmack allein ist schon ein Genuss. Darüberhinaus bringt sie noch die Vitamine A, B1, B2, C, D und Mineralien, wie Eisen und Kalium mit. Die Brunnenkresse wirkt anregend auf unseren gesamten Stoffwechsel und besonders auf die Ausscheidungsorgane Leber und Niere. Für eine reinigende und aktivierende Frühjahrskur sammelt man die frischen Triebe der Pflanze vor dem Blühen und verwendet sie als Brotbelag, Salatzugabe oder Blattgemüse.


Auch der Löwenzahn ist ein gutes Gemüse für eine entschlackende Frühjahrskur. Er regt vor allem Leber und Niere zu verstärkter Aktivität an und fördert so die Ausscheidung von Gift- und Schlackenstoffen nach einem langen Winter. Dafür sind hauptsächlich die Bitterstoffe in der Pflanze verantwortlich. Kinder nennen sie „Pusteblume“. Schon die optimistisch gelbe Farbe der Blüten macht fröhlich. Aus der getrockneten, kleingeschnittenen und gerösteten Wurzel lässt sich ein Kaffee-Ersatz herstellen. Aus den Löwenzahn-Blättern lässt sich ein schmackhafter und gesunder Salat zubereiten.


Der König der Frühlingsgemüse ist natürlich der Bärlauch, den Sie auch regelmäßig auf dem Markt kaufen können, wenn Sie Sich nicht erst in den Wald begeben möchten oder können. Allein die Tatsache, dass es mittlerweile vom Bärlauchbrötchen über Bärlauchfrischkäse bis zum Bärlauch-Pesto oder Bärlauchnudeln fast alles gibt, zeigt wie beliebt und bekannt er überall ist. Seine Heilkräfte können es mit dem Knoblauch durchaus aufnehmen, weswegen der Bärlauch auch Wilder Knoblauch genannt wird. Wie viele andere Frühlingsgewächse auch regt er vor allem die Verdauungsorgane an, entschlackt, reinigt und entgiftet. Deshalb hilft er auch bei Rheumatismus und Gicht, überdies senkt er den Blutdruck.


Interessant ist, dass der Bärlauch nur für unsere Frühjahrskur zu wachsen scheint: kaum dass er ausgetrieben und im April geblüht hat, ziehen die Laubblätter des Bärlauchs im Juni schon wieder ein und vergilben, um erst im nächsten Frühling wieder auszutreiben. Da seine  Blätter getrocknet wertlos sind, also weder Geschmacksstoffe, noch heilende Inhaltsstoffe beim Trocknen erhalten werden, sollten Sie vom Bärlauch essen, soviel Sie können- solange er frisch erhältlich ist.
Außer Vitamin C enthält dieser Alleskönner unter den Heilkräutern einen antibiotisch wirkenden Stoff, das Allicin. Die Volksmedizin sagt dem Bärlauch eine blutreinigende Wirkung nach und eine günstige Wirkung bei Arteriosklerose.


Ähnlich kurz wie beim Bärlauch ist die Saison des Scharbockskrauts. Auch das hübsch gelb blühende Scharbockskraut ist mit seinem recht hohen Vitamin-C-Gehalt eine beliebte Zutat zu Salaten während der Frühjahrskur und bleibt uns nicht sehr lang erhalten. Es zieht bereits vor dem Bärlauch, im Mai wieder ein. Die im Scharbockskraut enthaltenen Scharfstoffe bringen eine interessante Würze mit in den Salat oder aufs Butterbrot.


Wenn Sie unsicher sind, welche Pflanzen man sammeln oder essen kann und trotzdem im Frühling nicht auf Vitamine verzichten möchten, können Sie Sich auf dem Fensterbrett Sprossen selbst ziehen. Damit haben Sie jederzeit knackfrische Vitamine und Mineralien zur Hand. Auch zur Dekoration lassen sich Sprossen und Keimlinge gut verwenden. Sie brauchen nur einen geringen Aufwand an Pflege, bringen aber reichlich Vitamine, Kalium, Eisen, Magnesium, Calcium und viele Ballaststoffe mit. Damit regen sie den Kreislauf an, fördern Verdauung und Stoffwechsel und sorgen schließlich auch für einen geregelten Stuhlgang.


Sprossen und die Frühlingsgemüse aus Wald und Wiese lassen sich hervorragend kombinieren mit Frühlingszwiebeln, Chicoree, Rucola, Tobinambur, Radieschen und anderem Wurzelgemüse. Verwenden Sie als Dressing für Salate nur eine leichte Salatsauce, wie zum Beispiel eine Vinaigrette aus feingehackter Zwiebel, Essig, Öl, eventuell etwas Sauerrahm und einigen Gewürzen, um den feinen Eigengeschmack der Frühlingskräuter nicht zu überdecken.


Nutzen Sie den beginnenden Frühling aber auch, um Sich wieder mehr draußen an der frischen Luft zu bewegen und die müden Muskel aus dem Winterschlaf zu wecken. Gönnen Sie Sich einen morgendlichen Waldlauf, einen Spaziergang am Nachmittag oder spielen Sie abends eine Runde Tischtennis hinter dem Haus. Oder erledigen Sie einfach mal wieder einen Weg mit dem Fahrrad, zum Beispiel den Weg zum Briefkasten oder den Weg zur Arbeit? Den Ruf des Kuckucks, der ja Kleingeld ankündigen soll, hört man auf alle Fälle vom Fahrrad oder zu Fuß deutlich besser, als im Auto….


Wenn ihnen das alles zu zeitaufwendig ist, tut es anfangs auch morgendliche Gymnastik am geöffneten Fenster. Versuchen Sie Sich mit Rumpfbeugen, Kniebeugen und Armkreisen das Aufstehen zu erleichtern und frisch-fröhlich in den Tag zu starten. Auf diese Weise lässt sich auch eine Diätsünde leichter verzeihen und der Tag beginnt gesund.


Theodor Fontane sagte einmal „Je freier man atmet, desto mehr lebt man.“. Vielleicht haben Sie ja auch mal wieder Lust, mit der ganzen Familie eine Wanderung oder ein Picknick im Grünen zu veranstalten? Der Wonnemonat Mai eignet sich hervorragend dazu. Schließlich wirken der Aufenthalt an der frischen Luft, in Wald oder Wiese auch sehr entspannend und ausgleichend auf Psyche und Gemüt. Der Anblick des zarten Grüns überall, der hübsche Gesang der Vögel, die saubere, erfrischende Frühlingsluft und die Farbtupfer der Schmetterlinge und Blüten an den Bäumen oder auf der Wiese erfreuen unser Herz und lassen uns unsere Sorgen vergessen, wie die schwerfällige Hummel vergessen hat, dass sie physikalisch gesehen, eigentlich gar nicht fliegen kann. Wir empfinden die Schönheit und die Wunder der Natur und spüren die Ewigkeit des Universums. Überall verströmt sich Lebenskraft und dem können auch wir uns nicht entziehen. Wir nehmen den Frühling in uns auf und sind einfach glücklich.


Lassen wir also die Müdigkeit im Winter und freuen uns auf Tage voller Wärme und Sonne, voller Staunen und voller Entdeckungen.


Ich wünsche Ihnen, dass Sie fliegen können wie die Hummel…!


Quellennachweise:

Earl Mindell, „Die Vitamin Bibel“, ISBN.: 3-453-06650-2
Prof. Dr. I. Elmadfa und Dipl. oec. troph. D. Fritzsche, „Die große GU Vitamin und Mineralstoff Tabelle“, ISBN.: 3-7742-4175-9
Brunhilde Bross-Burkhardt, „Wildkräuter und Wildgemüse“, ISBN.: 978-3-86528-256-9
Apotheker M. Pahlow, „Das große Buch der Heilpflanzen“, ISBN.: 3-8289-1839-5

 
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