Juni 2011
In diesen Wochen sehen wir sie nahezu überall – die schönsten aller Blumen, die Rosen – wie sie uns mit ihrer Schönheit und ihrem bezaubernden Duft erfreuen. Sie blühen in weiß, gelb, orange, rosa, rot und eine ist schöner als die andere. Es gibt mittlerweile wohl keine Farbe mehr, in der die Rose nicht blühen könnte… Doch ursprünglich war die Farbe ihrer Blüten rosa bzw. rot, wie wir dies auch heute noch zum Beispiel bei der Heckenrose beobachten können.
Schon immer waren die Menschen fasziniert von der Rose, die sich fast den ganzen Sommer lang mit ihren Blüten schmückt und sich der Sonne völlig hinzugeben scheint.
Die Rose ist ein uraltes Symbol für die Liebe, vor allem die körperliche Liebe, die Schönheit der Schöpfung und die Verbindung von männlichen und weiblichen Eigenschaften, denn sie vereinigt in sich mit ihrem zauberhaften Duft und der vollkommenen Schönheit ihrer Blüte sowohl weibliche Aspekte als auch männliche, wenn man die Wehrhaftigkeit der Dornen betrachtet. Sie gilt bereits seit der Antike als stolze Königin der Blumen.
Ihr Symbol ziert zahlreiche Wappen und die Tatsache, dass es unzählige Varianten und Neuzüchtungen der Rosenarten gibt, mag veranschaulichen, wie diese Pflanze die Menschheit immer wieder erfreut und auch fasziniert hat. Ihre duftenden Blüten haben Dichter inspiriert und spielen eine wichtige Rolle in der Naturheilkunde und Naturkosmetik.
Rosenwasser zum Beispiel, also das ätherische Destillat, das als Nebenprodukt bei der Destillation von Rosenöl gewonnen wird, ist ein wunderbar beruhigendes und tonisierendes Gesichtswasser. Es wird vor allem im Orient, auch in Bulgarien und Indien hergestellt und spielt eine besondere Rolle in der Kultur, Kosmetik und den Essgewohnheiten.
Rosenwasser kaufen Sie am besten in einem arabischen Lebensmittelladen. Nachfolgend möchte ich Ihnen, als kleine Inspiration, Rezepte für Rosenmarmelade, Indisches Rosen-Lassi und eine alkoholfreie und eine alkoholhaltige Rosenbowle zum Selbstprobieren mitgeben. Ich bin sicher, diese Kostproben verzaubern Sie genauso wie mich. (Beide Bowlerezepte sind der Seite Chefkoch.de entnommen.)
Rosenmarmelade
200 Gramm frische und duftende Rosenblütenblätter (den bitteren weißen Kelchansatz abschneiden)
500 Gramm Gelierzucker 2:1
700 ml Wasser
Vanille-Zucker
Saft von 6 Zitronen
Die Rosenblütenblätter mit dem Gelierzucker vermischen und 4 Stunden ziehen lassen. Danach das Wasser, den Vanille-Zucker und den Zitronensaft, im Ganzen also 1 Liter Flüssigkeit, dazugeben, aufkochen lassen und sofort in vorbereitete, heiß ausgespülte Gläser geben. Diese wunderbar sinnliche Marmelade schmeckt zum Frühstück genauso gut, wie als Zutat in Backwerk, Quark, Joghurt oder Desserts.
Indisches Rosen-Lassi
250 Gramm Naturjoghurt
1-2 Esslöffel Rosenmarmelade
200 ml Wasser
nach Geschmack etwas Zucker
ein guter Schuss Rosenwasser
Rühren Sie den Joghurt mit dem Wasser und der Rosenmarmelade glatt und schmecken Sie das Ganze mit etwas Zucker ab. Am besten geht das mit dem Pürierstab. Geben sie zum Schluss einen Schuss Rosenwasser hinzu, füllen das Getränk in hohe Gläser und garnieren die Gläser mit einigen Rosenblättern. Indisches Rosen-Lassi ist ein erfrischendes Getränk für heiße Sommerabende.
Alkoholfreie Rosenbowle
1 Tasse Honig
2 Päckchen Vanille-Zucker
200 ml frisch gepressten Orangensaft
Saft von 1-2 Zitronen
1 Liter Apfelsaft
30 duftende Rosenblätter
1 Liter Mineralwasser
Honig und Vanille-Zucker mit dem Orangen- und Zitronensaft in ein Bowlegefäß geben und so lange rühren, bis sich der Honig aufgelöst hat. Mit dem Apfelsaft auffüllen, die gewaschenen Rosenblüten-Blätter dazugeben und im Kühlschrank einige Stunden durchziehen lassen. Kurz vor dem Servieren das Mineralwasser und evtl. noch etwas Zucker hinzufügen.
Alkoholhaltige Rosenbowle
40 duftende Rosenblütenblätter
50 Gramm Zucker
1 Vanilleschote, ohne Mark
1 Stück Zitronenschale unbehandelt, spiralförmig abgeschält
1,4 Liter trockenen Weißwein
400 ml Tonic water
500 ml Sekt oder Mineralwasser
20 ml Rosenwasser und einige Blätter zur Dekoration
Die gewaschenen Rosenblütenblätter mit dem Zucker, der Vanilleschote, der Zitronenschale und der halben Menge Weißwein ansetzen und 1-2 Tage ziehen lassen. Danach das Ganze abseihen und den restlichen Weißwein, das Tonic water, den Sekt oder das Mineralwasser und evtl. einen Schuss Rosenwasser dazugeben. Mit ein paar Rosenblütenblättern dekorieren und gut gekühlt servieren.
Diese Beispiele würden sich sicherlich noch weiter fortsetzen lassen, aber wir wollen uns noch einige andere Sommerblumen betrachten, die uns mit ihren schönen Blüten erfreuen wollen.
Da wäre zum Beispiel auch noch die Ringelblume, das Johanniskraut, die Kornblume und die Wegwarte.
Die hübsche gelb-orange blühende Ringelblume heißt so, weil ihre Samen sichelförmig oder eben geringelt aussehen. Ihre wichtigste Eigenschaft sind ihre wundheilenden Fähigkeiten. Die bekannteste Anwendung ist daher die Ringelblumen-Salbe, die man auf Wunden aufträgt und die zu deren baldiger Heilung beiträgt. Dazu verwendet man die gelben Strahlenblütenblätter, die bei sehr trockenem Wetter gesammelt und dann im Schatten weiter getrocknet werden. Natürlich kann man das getrocknete Kraut auch in der Apotheke kaufen. Ebenso ist es möglich, zur Herstellung einer Ringelblumen-Salbe frische Blüten zu verwenden. Man sollte dann allerdings die Salbe alsbald aufbrauchen und nicht länger als etwa 2-3 Wochen lagern.
Apotheker M. Pahlow beschreibt die Herstellung der Ringelblumen-Salbe oder Ringelblumen-Butter folgendermaßen: Man vermengt Ziegenbutter mit zerquetschten Ringelblumenblättern im Verhältnis 1:1 und erwärmt leicht, bis das Fett flüssig ist. Die Droge setzt sich dann ab, das Fett enthält die Wirkstoffe.
Die Kräuterkundige Maria Treben nutzte die Ringelblumen-Salbe für alle Arten von Wunden: Riss-, Quetsch-, Brand- und Operationswunden, Geschwüre, Krampfadern, Frostbeulen und sogar bei Wundliegen älterer Menschen. Sie lobt die heilende und blutreinigende Kraft dieser Pflanze selbst bei aussichtslosen Fällen und empfiehlt sie selbst bei Krebsgeschwüren.
In diesem Zusammenhang ist es sehr interessant, dass die Ringelblume in der Homöopathie tatsächlich auch bei Krebspatienten eingesetzt wird. Das homöopathische Mittel Calendula aus der Ringelblume wird bei Riss- und Schürfwunden, Wundinfektion, Sepsis, Karbunkeln und Geschwüren, insbesondere Krebsgeschwüren und nach Fisteloperationen eingesetzt. Besonders nützlich ist es, wenn die Haut dabei verletzt oder das Gewebe gerissen ist. Die Homöopathie empfiehlt warme Calendula-Kompressen nach Dammrissen bei der Entbindung oder zur Reifung und Absorption von Abszessen usw.
Allerdings rate ich dringend davon ab, sich mit Calendula, also der homöopathischen Zubereitung aus der Ringelblume, selbst zu behandeln. Vor allem bei chronischen Erkrankungen und Krebsleiden ist eine Selbstbehandlung keine gute Idee, sondern man sollte dringend einen erfahrenen Homöopathen konsultieren. Nur ein erfahrener Therapeut kennt die spezifischen Symptome und Beschwerden, bei denen man bestimmte Mittel einsetzt und kann den Heilungsverlauf objektiv beurteilen.
Darüber hinaus wirkt die Ringelblume leicht krampflösend, galletreibend, blutreinigend und ihre hübschen, leuchtend gelben Blüten werden in Teemischungen gern als Schönungsdroge eingesetzt. Das bedeutet, sie haben zwar keine arzneiliche Wirkung im Tee, verschönern aber den Anblick und korrigieren den Geschmack.
Ein sehr leckeres Ringelblumen-Rezept habe ich in dem Buch „Blütenküche – farbenfroh, dekorativ, lecker“ von Ursel Bühring gefunden und möchte es Ihnen nicht vorenthalten. Hier wird die Ringelblume auch Safranrose genannt, weil die gelben Blütenblätter der Ringelblume früher als Safranersatz dienten und zum Beispiel Butter, Reis, Käse und andere Speisen herrlich gelb färbten.
Safranrosenbutter
250 Gramm weiche Butter
2 Esslöffel Zitronensaft
4 Esslöffel Sauerrahm
1 Tasse ausgezupfte Blütenblätter der Ringelblume
etwas Curry und Salz
Ringelblumenblüten mit Sauerrahm und Zitronensaft zusammen in die weiche Butter einarbeiten. Mit Curry und Salz abschmecken und mit Ringelblumenblüten garnieren.
Ich selbst habe statt einem Teelöffel Curry dieselbe Menge Kurkuma verwendet und fand den Geschmack ganz exzellent. Besonders lecker schmeckt diese Blütenbutter zum Frühstück auf Roggenbrot oder –brötchen.
Ein weiteres typisches Mittsommerkraut ist das Johanniskraut, das uns so herrlich gelb vom Wegesrand entgegenleuchtet. Nimmt man eine der schönen gelben Blüten in die Hand und zerreibt sie zwischen den Fingern, läuft ein blutroter Saft heraus. Diese Signatur gab in vergangenen Zeiten immer wieder Anlass, die Pflanze mit den Leiden Christi in Zusammenhang zu bringen. Aus diesen Gedanken resultieren auch andere Namen für diese schöne Pflanze, wie zum Beispiel Blutkraut, Jesuwundenkraut, Johannisblut, Christi Kreuzblut, Herrgottsblut und andere.
Wie die Namen Wundkraut oder Gottesgnadenkraut schon sagen, ist es ein ausgezeichnetes Heilmittel bei allen Arten von Wunden, Nerven- und Muskelschmerzen, aber auch bei nervösen Beschwerden, wie Bettnässen, Schlaflosigkeit, Nervenschwäche und Winterdepression. Sämtliche volkstümlichen Namen für diese Pflanze zeigen uns die sehr hohe Wertschätzung, die der Volksglaube den Kräften des Johanniskrautes entgegenbringt.
Es beginnt in der Zeit der Sommersonnenwende zu blühen, um die Zeit also des längsten Tages und der kürzesten Nacht. Sein Name Johanniskraut leitet sich vom Tagesheiligen des 24. Juni her, dem heiligen Johannis, dem auch die Johannisfeuer der Sommersonnenwende gewidmet sind. Diese Pflanze nimmt also die Kraft der Sonne in der hellsten Zeit des Jahres in sich auf, um sie später, wenn es wieder dunkler und kälter geworden ist, als Medizin an uns Menschen abzugeben. Wie freundlich von diesem Sonnenkraut!
Für die stimmungsaufhellende Wirkung im Johanniskraut ist das Hypericin verantwortlich. Laut jüngster schulmedizinischer Untersuchungen gilt die Wirksamkeit bei Depressionen jedoch als nicht nachgewiesen. Das sollte uns aber nicht allzu sehr verwundern. Die krebsauslösende Wirkung von Handystrahlen und verschiedenen E-Stoffen in unserer täglichen Nahrung ist ja auch noch nicht bewiesen. Und es lohnt sich offenbar nur zu beweisen, was schlussendlich mit einem patentierten Verfahren in klingende Münze umgesetzt werden kann. Da jeder, der das möchte, sich Johanniskraut vom Wegesrand pflücken kann, ist der kommerzielle Nutzen der Pflanze doch eher bescheiden und lohnt keine aufwendigen Forschungsarbeiten.
Die Volksmedizin weiß es besser. Sie vertraut seit Jahrhunderten auf die Kraft des Johanniskrautes, die sich wohl kaum einen solch ausgezeichneten Ruf erworben hätte, wenn sie nicht zuverlässig helfen würde. Auch die Erfahrungsheilkunde bestätigt diese Erfahrungen. Natürlich sieht man immer nur das, was man auch sehen will… Im Endeffekt ist das Johanniskraut selbst also sein bester Wirksamkeitsnachweis.
Seine Heilkraft regt die Verdauungsdrüsen und den Kreislauf an, aber gleichzeitig beruhigt es die Nerven und wirkt stimmungsaufhellend, so dass es bei Depressionen und vegetativer Dystonie gute Erfolge bringt. Insbesondere die typischen Herbst- und Winterdepressionen in der dunklen Jahreshälfte sind ein wichtiges Anwendungsgebiet für unser freundliches Johanniskraut. Hier bringt es unserem Organismus Grüße von der Sonne und erleichtert uns damit den Winteranfang.
Man unterscheidet die innerliche und die äußerliche Anwendung. Für die innerliche Anwendung bereitet man aus 1-2 gehäuften Teelöffeln getrocknetem Johanniskraut und einem Viertelliter Wasser einen Tee, den man nur sehr kurz ziehen lässt und trinkt diesen Tee kurmäßig, das heißt mehrmals täglich über mehrere Wochen hinweg. Um depressive Verstimmungen zu behandeln, muss der Tee über mindestens 4-6 Wochen lang täglich getrunken werden.
Dabei sollte beachtet werden, dass Johanniskraut-Tee die Photosensibilität der Haut erhöht, das bedeutet, dass die Haut, wenn sie Sonnenstrahlen ausgesetzt wird, schneller verbrennt. Dies trifft vor allem auf hellhäutige Personen zu. Aus diesem Grunde sollte man während der Zeit der Einnahme von Johanniskraut auf Sonnenbäder oder den Aufenthalt im Solarium verzichten. Es scheint, das Kraut bringt soviel Sonnenlicht in den kranken oder geschwächten Organismus, dass er kaum noch mehr vertragen kann… Dabei ist der Johanniskraut-Tee ein rein pflanzliches Antidepressivum und hat kaum Suchtpotenzial, das heißt die Anwendung des Tees zieht keine Abhängigkeit nach sich.
Um das Johanniskraut äußerlich anzuwenden, bereitet man das berühmte Johanniskraut-Rotöl zu. Dafür füllt man eine weithalsige Flasche mit in der Sonne gepflückten Johanniskrautblüten und übergießt diese mit einem guten Olivenöl. Das Öl muss die Blüten komplett bedecken. Die Flasche verschließt man gut und stellt sie für einige Wochen an einen warmen und sonnigen Platz, wo das Öl nun eine rote Farbe annimmt. Nach etwa 6 Wochen seit man das Öl ab und füllt es nun in dunkle Flaschen ab. Es hält sich etwa 2 Jahre in den dunklen Flaschen, wenn man es kühl aufbewahrt, allerdings ist es eine gute Idee, das Johanniskrautöl jeden Sommer wieder frisch anzusetzen.
Mit diesem hervorragenden Wund- und Heilöl bestreicht man Hautläsionen und -verletzungen, Muskelschmerzen, leichte Brandwunden, Blutergüsse, Drüsenschwellungen und auch bei rheumatischen oder Rückenschmerzen, Hexenschuss, Ischiasleiden und Rheumatismus kann das Einreiben der betroffenen Hautstellen mit dem selbst hergestellten frischen Johanniskrautöl hilfreich und schmerzlindernd sein. Auch bei Verbrennungen und Sonnenbrand ist das Bestreichen mit dem roten Öl hilfreich, aber hier sollte es mit Leinöl statt Olivenöl angesetzt worden sein.
In der Homöopathie gilt das Hypericum, also die homöopathische Zubereitung aus dem Johanniskraut, als „Arnika der Nerven“. Das bedeutet, es wird insbesondere bei Nervenverletzungen, Verletzungen des Rückenmarks, Folgen von Unfall und Trauma, zum Beispiel Schleudertrauma und anderen Beschwerden eingesetzt. Auslöser einer Beschwerde, die sich mit Hypericum gut heilen lässt, können Operationen, Amputationen, Verletzungen, aber auch Folgen von Narkosen sein, wie zum Beispiel nach Epiduralanästhesie. Der Patient kann infolge dieser Verletzungen an Schock, Melancholie, Deperssionen oder einem Nervenzusammenbruch leiden. Oft hat er Schmerzen, die als stechend, lanzinierend oder schießend empfunden werden und manchmal ein Kribbel- oder Ameisengefühl, zum Beispiel in den Extremitäten. Auch Narbenschmerzen, Tierbisse oder Neuralgien lassen sich mit Hypericum gut behandeln.
Eine Patientin, die seit einem Autounfall in ihrer Kindheit fast täglich schlimme Kopfschmerzen hatte und dadurch in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt war, verlor diese täglichen Kopfschmerzen nach der einmaligen Anwendung von Hypericum in einer hohen Potenz und kann nun ihr junges Leben sorgen- und schmerzfrei genießen. Es ist ein schönes und beruhigendes Gefühl, mit den Kräutern und homöopathischen Zubereitungen aus Pflanzen und anderen Stoffen starke Helfer für alle möglichen Lebenslagen zu kennen und auf deren zuverlässige Heilkraft bei richtiger Anwendung vertrauen zu dürfen.
Eine weitere wunderschöne Sommerpflanze ist die Kornblume mit ihren entzückenden blauen Blüten. Diese schönen himmelblauen Blüten waren vor einigen Jahren oder Jahrzehnten gemeinsam mit dem rotblühenden Klatschmohn noch fester Bestandteil sämtlicher Getreidefelder, bis sie durch den Einsatz von Pestiziden, Unkrautvernichtungsmitteln und allgemeine Überdüngung leider immer seltener geworden sind. Dies ist nicht nur eine optische Einbuße, wenn man daran denkt, wie hübsch die roten Mohn- und blauen Kornblumenblüten im goldenen Getreidefeld ausgesehen haben. Auch die Bienen und Hummeln haben gern diese Blüten besucht und sich deren Nektar geholt. Mittlerweile ist die Art geschützt.
Heilkräftige Bestandteile der Kornblume sind vor allem Bitter- und Gerbstoffe. Die Pflanze wirkt leicht harntreibend und tonisierend auf den Magen-Darm-Trakt, wird allerdings heute fast nur noch als Schönungsdroge verwendet. Das heißt, man nutzt sie um Teemischungen optisch zu verschönern, traut ihr selbst aber keine heilende Wirkung mehr zu.
Das war vor einigen Jahrzehnten anders. Wegen der Signatur der schönen blauen Farbe benutzte man die Kornblume hauptsächlich bei Augenleiden, gegen Kopfschmerzen, Beschwerden der Leber und des Urogenitaltrakts, sowie zur Blutreinigung. Auch Fieber wurden mit der Kornblume behandelt. Die Gerb- und Bitterstoffe legen aber auch einen Einsatz bei Beschwerden von Haut- oder Schleimhautentzündungen nahe. Zum Beispiel bei Husten oder Entzündungen der Mundschleimhaut.
In der Symbolik bringt man die Kornblume mit Einfachheit, Natürlichkeit und Zartheit in Zusammenhang. Deshalb tauchten sie in mittelalterlichen Gemälden häufig als Attribut von Mutter Maria auf. Die Blüten der Kornblume in einem Strauß gebunden bedeuten: Ich gebe die Hoffnung nicht auf! Diese schönen blauen Blüten stehen aber nicht nur für die Hoffnung, sondern auch vor allem für Treue und Beständigkeit.
Deshalb galt die Kornblume eine gewisse Zeit als Attribut und Lieblingsblume von Königin Luise, der Mutter Wilhelms von Preußen. Mit der Kornblume wollte man also gleichzeitig die Ewigkeit im Preußischen Reich verankern. Der spätere Kaiser Wilhelm erklärte die „preußisch-blaue“ Kornblume zu seiner Liebligsblume. Da die Blüten aber recht bald verblühen und dann die schöne blaue Färbung verlieren, ist die Kornblume gleichzeitig ein Symbol der Vergänglichkeit – das hatte Wilhelm I. wohl nicht bedacht. Später starb mit dem preußischen Staat auch sein Symbol.
Einige wirklich tolle Rezepte möchte ich Ihnen auch für die Kornblume nicht vorenthalten. Die Quellenangabe findet sich jeweils im Rezept.
Kornblumenzucker (www.kuechengoetter.de)
100 ml Kornblumenblüten, nur die abgezupften Blütenblätter
100 ml feinen Rohrzucker
Die frisch gepflückten und trockenen, abgezupften Blütenblätter mit dem Rohrzucker in einem Mixer so lange mahlen, bis alles himmlisch blau ist. Dann die etwas feuchte Masse auf einem Papier-Küchentuch grob ausbreiten und an einem dunklen, gut belüfteten Ort etwa 48 Stunden trocknen lassen. Dabei zwischendurch immer mal mit einem Löffel auflockern. Wenn der Zucker getrocknet ist nochmals mixen, fein sieben und zur Aufbewahrung in ein Twist-off-Glas füllen.
Die zurückgebliebenen gezuckerten Blüten lassen sich als Dekoration beim Backen verwenden oder unter Teemischungen geben. Achtung! Der Zucker und die Blüten behalten die Farbe nur, wenn sie dunkel stehen. Sonnenlicht bleicht die Farbe aus.
Feines Zauberblütensalz (www.chefkoch.de)
5 Esslöffel grobes Meersalz
2 Esslöffel Blütenblätter von der Malve
1 Esslöffel Blütenblätter von der Rose
1 Esslöffel Basilikumblätter
1 Teelöffel Blätter von der Kornblume
Die Blütenblätter und das grobe Meersalz in die Gewürzmühle füllen und fein mahlen, bis das Salz eine schöne rosa Farbe hat. Dieses Rezept ist ausgelegt für getrocknete Blätter, man kann jedoch auch frische Blätter nehmen. Dann sollte das Salz nach dem Mahlen aber gut getrocknet werden, da es sonst klumpen könnte.
Der feine Geschmack passt sehr gut zu Fisch, ins Risotto, in den Salat, aber auch auf das Frühstücksei.
Lachs auf Kornblumen und Klatschmohn (www.ichkoche.at)
4 Handvoll Klatschmohnblütenblätter
2 Handvoll Kornblumenblütenblätter
2 Tassen Basmatireis
4 Lachssteaks á 180 Gramm
200 ml Fischfond
Salz, Pfeffer
1 Schuss Pernod
ein paar Blüten zum Garnieren
Den Reis gründlich waschen und in einer Schüssel mit Wasser 30 Minuten einweichen lassen. Danach reichlich frisches Wasser mit 1 Teelöffel Salz zum Kochen bringen, den eingeweichten Reis abgießen, ins kochende Wasser geben und in 5-7 Minuten sprudelnd „al dente“ kochen. Nun den Reis in ein Sieb abgießen und zurück in den Topf geben. Den Topfdeckel in ein sauberes Tuch einschlagen und fest aufsetzen. Herd ausschalten und den Reis 20 Minuten dämpfen lassen.
Vier Teller mit Mohn- und Kornblumenblütenblättern auslegen. Fischfond in einem Topf erhitzen und mit Salz, Pfeffer und Pernod abschmecken. Die Lachssteaks zugeben und 3-5 Minuten gar ziehen lassen.
Die Lachssteaks und den Reis auf den blütengeschmückten Tellern mittig platzieren, etwas Fischfond über den Lachs geben und mit Blüten garniert servieren.
Ein letztes Sommerkraut, das ich Ihnen hier vorstellen möchte, ist die Wegwarte. Das ist ein wunderschönes blaublühendes Kraut, das uns von Juni bis September mit seinen zauberhaften Blüten entzückt. Sie wird heute fast nur noch als Unkraut wahrgenommen, was sehr schade ist, denn diese Pflanze war früher der sehr wichtige Lieferant eines Kaffee-Ersatz-Getränkes, des Zichorienkaffees. Aus ihrer fleischigen Pfahlwurzel wurde nach Trocknung und Rösten ein dunkles Pulver hergestellt, das einen hervorragenden Ersatz für den in Nachkriegszeiten schwer erhältlichen Bohnenkaffee darstellte. Auch heute noch ist der Zichorienkaffee in guten Reformhäusern erhältlich. Er stellt eine magenfreundliche Alternative zum sehr magenreizenden Bohnenkaffee dar und eignet sich auch als Ersatz für Homöopathie-Patienten, die während der homöopathischen Behandlung auf Kaffee verzichten müssen, um das homöopathische Mittel nicht zu antidotieren. Außerdem ist er hervorragend geeignet, während einer Fastenkur den täglichen Frühstücks- (Bohnen-) Kaffee zu ersetzen. Man kann das Getränk noch variieren oder aufpeppen, indem man Kakao oder Milch hinzufügt oder Mandel- oder Haselnuss-Sirup dazugibt.
Die Wegwarte gilt außerdem als der Geheimtipp bei Diabetes mellitus. Das Gemüse aus der Wurzel und der Frischsaft aus der gepressten Wurzel sollten von Diabetespatienten am besten täglich verzehrt werden. Für die Heilwirkung ist das in der Wurzel reichlich enthaltene Inulin verantwortlich. In der Wurzel finden sich außerdem Eisen, Magnesium, Kalium und Natrium.
Weitere wichtige Inhaltsstoffe in der Pflanze sind Bitter- und Gerbstoffe. Diese Stoffe wirken anregend und kräftigend. Sie regen den Appetit und den Stoffwechsel an und wirken galletreibend und aktivierend auf die Leber. Somit hilft die Wegwarte vor allem bei Stoffwechselstörungen, Dyspepsie, Appetitlosigkeit, Blähungen, Bauchschmerzen, Völlegefühl, Leberstörungen und Kopfschmerzen. Weitere Heilwirkungen sind Entzündungen hemmen, Stoffwechsel regulieren und eine gewisse entwässernde Wirkung.
Apotheker M. Pahlow empfiehlt für eine Frühjahrs- und Herbstkur einen Tee, der aus zwei Teilen Wegwarte, zwei Teilen Löwenzahn und einem Teil Pfefferminze besteht. Dabei nimmt man von Wegwarte und Löwenzahn jeweils zur Hälfte Kraut und Wurzel. Dieser Tee soll den gesamten Stoffwechsel anregen, die Ausscheidungs- und Stoffwechsel-Organe Leber und Niere stimulieren und somit zu einem gesteigerten Wohlbefinden beitragen. Die Teekur sollte sich jeweils im Frühjahr und im Herbst über 3-4 Wochen erstrecken und bei bestimmungsgemäßem Gebrauch der Teekräuter sind keine Nebenwirkungen zu befürchten.
Eine besonders wichtige Wirkung sämtlicher Pflanzen wurde aber noch nicht besprochen und gerät allzu leicht in Vergessenheit – die sinnliche Wirkung. Die Freude, die wir empfinden, wenn wir bei einem Spaziergang oder einer Wanderung einer blühenden Pflanze begegnen, sei es nun eine Kornblume oder Mohnpflanze in einem Getreidefeld, oder ein Garten voller Rosen und Ringelblumen oder das Leuchten des Johanniskrautes am Wegesrand.
All diese frohen Augenblicke stellt uns die Natur völlig gratis zur Verfügung! Wir müssen nur unsere Augen und unsere Herzen öffnen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen wunderbaren und blütenreichen, sinnlichen Sommer!
Literaturnachweise:
Apotheker M. Pahlow, „Das große Buch der Heilpflanzen“, ISBN-Nr.: 3-8289-1839-5
Maria Treben, „Gesundheit aus der Apotheke Gottes“, ISBN-Nr.: 3-85068-090-8
Anita Höhne, „Medizin am Wegesrand“, ISBN-Nr.: 3-453-11738-7
Marianne Beuchert, „Symbolik der Pflanzen“, ISBN-Nr.:3-458-34694-5
Mohinder Singh Jus, „Praktische Materia medica“, ISBN-Nr.: 3-906407-05-5
Ursel Bühring, „Blütenküche – farbenfroh, dekorativ, lecker“, ISBN-Nr.: 978-3-8001-5830-0