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Januar 2011 (Aufsatz von Gastautor Eckehard Hollmann)


Liebe BesucherInnen dieser Internetseite!

Vielleicht machen Sie sich auch ab und an Gedanken über das aktuelle Zeitgeschehen und fragen sich,  ob die Politiker nicht endlich Nägel mit Köpfen machen könnten und dafür eintreten, wofür sie als Volksvertreter gewählt wurden - eben das Volk zu vertreten. Davon sind sie jedoch in den meisten Fällen sehr weit entfernt und denken vielfach nur an ihre eigenen Pfründe.

In der aktuellen Krise, die sicher nicht die letzte sein wird, kann man erkennen, dass die Vertreter der etablierten Parteien aller Coleur keine richtigen Vorstellungen haben, wie man aus dem ganzen Schlamassel raus kommen könnte. Als Hauptursache wird meist die Geldgier der Banker ausgemacht und deren konsequentere Kontrolle gefordert. Das ist aber nur die halbe Messe.

Hier sollte man schon mit kindlicher Neugier fragen und  nachbohren: Warum ist das so?
Das ist so, weil man relativ einfach durch den Zinseszinseffekt mit Geld Geld verdienen kann, ohne wirklich arbeiten zu müssen - man muß nur genug davon haben, um es gewinnbringend anlegen zu können. Jede Bank wirbt damit, Ihr Geld zu vermehren und das ist ganz legitim und keiner wird für diese verdeckte Form der Ausbeutung bestraft. Man kann das auch leistungsloses Einkommen nennen.

Die Kehrseite der Medaille ist leider die Tatsache, dass genau aus diesem Grund Geld gern gehortet wird. Das bedeutet, wer genug Geld hat, zieht es aus dem Verkehr und legt es irgendwo an, wo für ihn das Maximum herausspringt. Meist ist das nicht im eigenen Land. Dieses zu Unsummen gehortete Geld fehlt nun aber im täglichen wirtschaftlichen Kreislauf und verursacht Verteuerung, Verknappung, Verschuldung und stetig steigende Lebenshaltungskosten.

Und warum finden nun "unsere" Politiker nicht den rechten Weg?

Wie sollten sie denn auf echte Lösungen kommen, wenn sie als Marionetten der Hochfinanz immer befangen und schaumgebremst sind und keinen richtigen Biß haben? Wessen Brot ich eß, dessen Lied ich sing - und so kommen sie auch nie auf die Idee nach den Ursachen der Krisen zu suchen. Selbst die sogenannten Wirtschaftsweisen mit ihrer gebetsmühlenartigen Forderung nach Wirtschaftswachstum wissen es nicht besser, weil ihnen ihre bisherige Schulbuchökonomie den Blick vernebelt.

Wir haben also festgestellt, dass unser Geldsystem gewissermaßen krank ist. Und dabei ist es ganz gleich welche Währung wir betrachten. Es ist ein Grundübel der kapitalistischen Wirtschaftsweise, dass der Zinseszinseffekt umweltzerstörendes Wirtschaftswachstum einfordert.

Aber es gibt auch noch Möglichkeiten dagegen zu steuern - mit gesundem Geld. Wie soll das gehen, werden Sie fragen?

Es gibt inzwischen in Deutschland eine kleine Gruppe von engagierten Menschen, die es sich zum Ziel gemacht haben, diesem kranken Geldsystem etwas entgegen zu setzen. Um die 60 - 70 Initiativen arbeiten in Deutschland an der Einführung von Regionalgeld. Sicher haben Sie in Ihrem Umfeld schon von solchen Projekten gehört. Das bekannteste Projekt ist in Bayern der Chiemgauer, das schon viele Nachahmer bzw. Nachnutzer gefunden hat. In unserer Nachbarschaft gibt es z. B. den Zschopautaler und in Sachsen-Anhalt landesweit den Urstromtaler.

Was spricht für solche Regionalgeldprojekte?

Regionalgeld, das sagt schon der Name, kann nur in der betreffenden Region, für die es vorgesehen, ist benutzt werden. Das schließt gleichzeitig aus, dass es dorthin abfließt wo es den meisten Profit abwerfen würde (z. B. China / Indien). Somit dient es ausschließlich der Wirtschaft in den betreffenden Regionen und hilft kleine Kreisläufe wieder zu reaktivieren. Die Wirtschaftskraft bleibt also in der Region und fließt dann eben nicht zu den ALDI-Brüdern ab.

Man kann mit Regionalgeld auch nicht spekulieren, da damit keine Zinsen erwirtschaftet werden sollen. Mit Regionalgeld wird das Geld an sich auf seine eigentliche Funktion als Tauschmittel zurück geführt. Wir, und dazu zählt auch die Inhaberin dieser Internetseite, vertreten den Erzregio. Das ist eine Gutscheinwährung, die für die gesamte Erzgebirgsregion konzipiert ist.

Wie funktioniert es? Jeder Unternehmer, der solche Erzregios erwerben und an diesem Netzwerk teilhaben will, bestellt seine eigenen Gutscheine mit seiner eigenen Werbung bei der Initiative Erzregio für den Druckkostenpreis von 20 €. Bei der Initiative gibt er lediglich noch ein schriftliches Leistungsversprechen ab, was er jedem Kunden, der ihm seine eigenen Leistungsgutscheine vorlegt, dafür an Gegenwert an Ware oder Dienstleistung anbietet. Mit seinen eigenen Gutscheinen kann er nun bei allen Teilnehmern des Erzregionetzwerkes Geschäfte tätigen oder sie auch z. B. seinen eigenen Kunden oder Geschäftspartnern als Gutschein übergeben.

Hier ein kleiner Überblick über die verschiedenartigen Teilnehmer unseres bisher noch kleinen Netzwerkes:

Biobauern, Bioläden, Sägewerk, freie Autowerkstatt, Zahnarzt, Homöopathen, Imker, Holzgestalter, Heizungsbauer, Bäcker, EDEKA-Märkte u. v. a.

Sie könnten also mit Ihren Gutscheinen beim Biobauern in Ihrer Gegend einkaufen, der diese Gutscheine dann vielleicht dafür nutzt, seinen Traktor reparieren zu lassen - beim KFZ-Schlosser um die Ecke. Da der KFZ-Schlosser noch ein paar Geschenke für die Geschäftspartner anläßlich seines Firmenjubiläums braucht, kauft er im EDEKA-Markt in Ehrenfriedersdorf für seine Erzregios noch ein paar Geschenke. Der Inhaber des Marktes gibt die erhaltenen Erzregios an seine Mitarbeiter als Dankeschön für die fleißige Arbeit und so können die Mitarbeiter mit ihren Gutscheinen einen Weihnachtsbaum im Sägewerk, Stollen vom Bäcker oder Honig vom Imker kaufen. Der Imker nutzt seine Gutscheine, um den längst fälligen Besuch beim Homöopathen zu bezahlen und der Homöopath kauft damit im Bioladen seiner Wahl leckeren Tee.....


Dabei steigt der persönliche Vorteil, der sich aus der Nutzung der Erzregio-Gutscheine ergibt, mit jedem Mal Ausgeben an. Keiner aber hätte einen Nutzen vom Horten und Stapeln der Gutscheine: solange sie nicht im Umlauf sind, können sie keine Wünsche erfüllen. Damit entsteht Wohlstand nicht durch das Sammeln von bunt bedrucktem Papier, sondern durch das Weitergeben, das Mit-Teilen von Gutscheinen! Was für eine Alternative!

Wann können wir Sie bei uns begrüßen? Falls Sie Fragen haben, schauen Sie doch einfach auch mal auf unsere

Internetseite:  www.erzregio.de

Mit (h)erzlichen Grüßen.

Eckehard Hollmann

Mitbegründer der Initiative Erzregio


Zur Abrundung hier noch einige Zitate:

Zitat : Johannes Rau

Wenn die soziale Ungleichheit zu groß wird , dann sagen viele Menschen. "Das ist nicht mehr meine Gesellschaft, hier habe ich keine faire Chance."

Wo sich das Gefühl ausbreitet, dass es nicht gerecht zugeht, da reagieren die Menschen mit Rückzug, oder Protest, mit Verweigerung oder Gewalt.

Horst Köhler, der Chef des Internationalen Währungsfonds sagt: "Die extremen Ungleichgewichte in der Verteilung der Wohlfahrtsgewinne werden mehr und mehr zu einer Bedrohung der politischen und sozialen Stabilität." Er hat recht.

Zitat: Hans Christoph Binswanger

"99 Prozent der Menschen sehen das Geldproblem nicht. Die Wirtschaft sieht es nicht, die Ökonomie sieht es nicht, sie erklärt es sogar als nicht existent. Solange wir aber die Geldwirtschaft nicht als Problem erkennen, ist keine wirkliche ökonomische Wende möglich."

Zitat : Michael Ende

"Die Opfer unseres Systems sind jetzt die Länder der Dritten Welt ebenso wie die Natur, die erbarmungslos ausgebeutet werden, um unser Wirtschaftssystem zu stützen. Wer Geld nur investiert, um den höchstmöglichen Profit zu erzielen und zu expandieren, wird eine Tages den Preis dafür bezahlen müssen, und es wird ein sehr hoher Preis sein, den das Wirtschaftswachstum fordern wird. Wenn es nicht die Vernunft ist, die die Menschheit zur Umkehr bewegt, dann werden es die Fakten sein. Meine Möglichkeiten als Autor sind begrenzt, aber ich betrachte sie unter dem Aspekt, dass ich Ideen und Gedanken entwickeln kann, die vielleicht der Menschheit helfen können, alte Fehler nicht zu wiederholen und statt dessen eine völlig neue Gesellschaftsordnung zu schaffen. Ich glaube, dass die Menschheit einen Rückschlag erleben wird, der sie jahrhundertelang erschüttern wird. Die Menschen glauben immer: "So ist das eben mit dem Geld. Das kann man nicht ändern." Das ist nicht wahr. Wir können es ändern. Wir haben das Geld geschaffen und wir können es auch anders machen."

Zitat :  Kurt Biedenkopf

"Das politische System unseres Landes beruht auf Annahmen, die mit der Lebenswirklichkeit nicht länger vereinbar sind; auf der Annahme nämlich, dass ein stets exponentielles Wachstum der materiell verfügbaren Ressourcen, des materiellen Bruttosozialproduktes, dauerhaft möglich ist. Sämtliche seiner wesentlichen Grundlagen, Strukturen, Verhaltensweisen und Erwartungen sind durch diese Annahme inhaltlich geprägt. Sein Geldsystem und die Marktwerte der Güter- und Dienstleistungen beruhen auf ihr ...  Wer die Möglichkeit dauerhaften exponentiellen Wachstums leugnet, gefährdet deshalb das gegenwärtig reale demokratische Herrschaftssystem ebenso wie die Beweise Galileis das damalige Herrschaftssystem der Kirche gefährdeten".

Literaturempfehlungen:

www.geldreform.de
www.gruenesland.net

Karl Walker, "Das Geld in der Geschichte", ISBN-Nr.: 3-905267-12-8
Margrit Kennedy, "Geld ohne Zinsen und Inflation", ISBN-Nr.: 3-44212-34-10
Argentarius, "Vom Gelde - Briefe eines Bankdirektors an seinen Sohn"
Friedrich von As, "Grünes Land - brich die Macht des Geldes", ISBN-Nr.: 3-00-011459-9

 

 
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